Das Wort der Woche (6): kniestig

„Sei doch nicht immer so kniestig!“ – Dieser Satz brachte mich in dieser Woche zum Lachen und erinnerte mich an meine Kölsche Vergangenheit. Ich gebe zu, dass ich vorsichtig bin mit dem Geld ausgeben. Lieber überlege ich mehrfach hin und her, ob es sich das wirklich lohnt und ob ich mir etwas leisten kann. Daran ist doch nichts verkehrt, oder? So bin ich nun einmal aufgewachsen und wenn man nicht so viel hat, muss man eben etwas sparsam sein. Und dennoch wurde ich als kniestig bezeichnet!

Seit dem 18. Jahrhundert stand dieses Wort für schmutzig oder auch klebrig. Und wenn ich so darüber nachdenke, passt das auch ganz gut. Wenn etwas kniestig ist, dann ist das irgendwie nicht schön, sondern eklig verklebt oder so.

Nach meinen kleinen Recherchen wurden ab dem 19. Jahrhundert auch übertrieben sparsame und geizige Menschen als kniestig bezeichnet. Man sprach dann wohl von „schmutzigem“ Geiz. Seltsam, dass alles was schmutzig ist, gleich auch negativ sein muss, oder?

Ich kenne diese Bezeichnung aus dem Kölner Raum und finde ihren Klang sehr interessant. Im gleichen Atemzug fielen mir dazu noch knickerig und knauserig ein. Würdet ihr einen sparsamen Menschen als kniestig bezeichnen? Kennt ihr das Wort oder habt ihr eine wohlklingende Alternative parat?

Ich freue mich über eure Gedanken dazu!

Übrigens spreche ich kniestig mit einer deutlichen Betonung auf dem ie aus. 🙂

Hier findet ihr mehr zu meiner Aktion: Das Wort der Woche. Vielleicht schwirrt euch auch hin und wieder ein Wort durch den Kopf, über das ihr gerne mehr wissen würdet? Ich bin offen für eure Ideen und Vorschläge! 🙂

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44 Kommentare zu „Das Wort der Woche (6): kniestig“

  1. Bei uns wurde es hin und wieder auch zur Bezeichnung eines Gemütszustands gebraucht. Vielleicht so im übertragenen Sinne, wenn man sich eben schmutzig und schlecht fühlt und das entsprechend ausstrahlt. Z. B. auch „Mach doch nicht so ein kniestiges Gesicht!“

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      1. Die Mischung macht es, glaube ich. Ohne ordentlich zu haushalten, geht gar nichts. Was eine gewisse Vorsorge einschließt. Gleich danach kommt, dass sich die Dinge auch bewegen müssen. Mitnehmen lässt sich eh nichts, zur anderen Seite.

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  2. Wenn kniestig nicht nur mit Schmutz, sondern auch mit Verkleben zu tun hat, dann kommt das Wort vielleicht daher, dass an kniestigen Person das Geld kleben bleibt?
    Ich kenn das Wort jedenfalls nicht. Bei uns heißt es kniggrig, und als Ureinwohnerin Schwäbiens kenn ich mich bestens damit aus. Zum Klischee gehört halt, dass Schwaben geizig sind. Ich bezeichne es als „gut mit Geld umgehen können und nicht über die Verhältnisse leben“ und stehe auch dazu. 🙂

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      1. Nee, bei uns haben die Leute keine klebrigen Händen, an denen Geld hängenbleibt. Wir können einfach gut mit Geld umgehen, füllen unser Sparstrümpfle und wenn er voll ist, bauen wir ein Häusle. 😉

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      1. Weil ich, nachdem ich in Koeln mein Studium angefangen habe, mein gesamtes restliches Leben in Deutschland im Koeln-Bonner Raum verbracht habe und einen sehr rheinischen Sing-Sang in miner Sprache habe. Schlaegt sogar durch, wenn ich englisch spreche. Ich mag Koelsch/Rheinisch einfach sehr.

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  3. Hier in Preußen hab ich dieses Wort noch nie gehört. Hier ist man „knickrig“. Wir leben hier in einer sprachlich spannenden Region; Ureinwohner erkennen sich ganz einfach daran, dass sie kein „dass“ kennen, denn das ist hier grundsätzlich und durchweg „damit“. Ansonsten gibt es etliche Einflüsse, so z.B. das Berlinische und das uckermärkische Platt – das kaum jemand, der nicht aus dieser nördlichen Region ist, versteht.
    Deine Wörter der Woche find ich toll! Auf die Weise beschäftigt man sich bewusster mit der Sprache und lernt gut dazu 🙂
    Liebe Grüße
    Regina

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    1. Vielen Dank liebe Regina, für den Lob! Ich finde es total spannend auch Wörter aus anderen Regionen kennenzulernen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu entdecken. Vielleicht magst du mir ein besonders spannendes Wort nennen, dass außer in deiner Region, niemand verstehen würde?
      Ich bin doch sehr neugierig!
      Herzliche Grüße
      Julia

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      1. Hallo liebe Julia, nach langem Überlegen bin ich auf kein regional-typisches Wort gestoßen, ich denke, solche „Schöpfungen“ sind eher lokal oder noch begrenzter, da wir hier keinen ausgesprochenen Dialekt wie z.B. das Bayerische haben, das ja fast eine eigene Sprache ist – ähnlich wie das Sächsische. Aber eine Kleinigkeit hab ich doch – in meiner Familie mütterlicherseits – ausnahmslos originale Berliner – gab es ein Wort für lustig im Sinne von eher erstaunlich – das hieß „kullig“. Frag mich nicht, woher das abgeleitet ist, keine Ahnung. Aber ich finde dieses Wort an sich schon irgendwie kullig ;-). Du kannst ja in Deiner Worte-Rubrik mal rumfragen, ob das vielleicht doch noch jemand außer mir kennt …
        Lieben Gruß
        Regina

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  4. Irgendwie ist mir das Wort vage bekannt. Als ich es las, war es mir jedenfalls nicht neu. Aber es geht mir wie Hermine, ich hatte an ein kniestiges Gesicht gedacht. Jetzt bin ich mir nicht sicher, ob es ein Wort ist, was in Norddeutschland vorkommt, oder ob meine Eltern das aus ihren Wanderjahren mitgebracht haben. So schleichen sich gerne mal fremde Wörter in eine Region bzw. Familie ein, wo sie eigentlich gar nicht vorkommen. Auch ein interessantes Feld 🙂 Wer sich übrigen ausführlich mit den regional verschiedenen Ausdrücken befassen möchte, dem kann ich die Seite vom „Atlas der deutschen Alltagssprache“ empfehlen. Die machen jedes Jahr eine Erhebung zu den verschiedensten Ausdrücken. http://www.atlas-alltagssprache.de/

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  5. „kniestig“ – nein, das Wort habe ich auch noch nie gehört, würde hier vielmehr, wie Regina von Fadenkram, knickrig verwenden. Eine Kurzrecherche im www lässt vermuten, dass das Wort allerdings, anders als kniestig, umganssprachlich allseits und überregional bekannt sein sollte.
    Zumindest fragte mich eines der Onlinewörterbücher bei der Eingabe von „kniestig“, ob ich nicht vielleicht eher knickrig meinte 😉
    Liebe Grüße

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