Das Wort der Woche (4): durchfallen

Heute möchte ich euch ein wenig mit interessanten Wortherkünften belustigen. Hört, hört und lauschet den Erzählungen!

Warum fallen wir eigentlich bei einer nicht bestandenen Prüfung durch? Und durch was genau fallen wir da eigentlich? Schließlich handelt es sich bei einer Klausur ja nicht um ein bodenloses Loch, auch, wenn es sich manchmal so anfühlen mag.

Tatsächlich könnte man sich im selben Zusammenhang auch fragen, wieso wir jemanden hängen lassen, einen Korb geben oder auf bodenlose Gemeinheiten reinfallen. All diese Redensarten führen uns nämlich zurück ins Mittelalter.

Als Mediävistin begeistert mich diese Epoche natürlich besonders und es ist quasi meine Pflicht euch auf einen kleinen Wortausflug in ferne Zeiten mitzunehmen..

Wer kennt es nicht, das Bild vom verliebten Herrn des Mittelalters, der mit Minnegesang unter dem Fenster der Angebeteten um ein Rendevouz bittet? Tatsächlich schien es im Mittelalter üblich gewesen zu sein, einen Korb durch das Fenster hinab zu lassen und den Freier darin nach Oben zu befördern.
Doch was tun, wenn dort nicht der gewünschte Herr stand? Wie konnte Frau sich eines unerwünschten Brautwerbers erwehren?
Besonders drastisch war die Methode, einen am Boden beschädigten Korb durch das Fenster herunter zu lassen. Diese bodenlose Gemeinheit sorgte dafür, dass der Herr beim heraufziehen hindurchbrach – also durchfiel. Eine weitere Möglichkeit war auch, den Freier einfach auf halber Höhe in einem immerhin intakten Korb hängen zu lassen..
Natürlich waren diese Bräuche wenige Jahrhunderte später längst vergessen. Die negative Bedeutung blieb allerdings bestehen..

Wenn ihr also einmal einen Korb bekommen solltet, seid froh darüber, dass dies heute nurnoch eine Redewendung ist und ihr weder durchgefallen, noch auf halber Strecke hängen gelassen wurdet. Humor hilft manchmal! 🙂

Ich wünsche euch einen angenehmen Freitag und hoffe das Wort der Woche hat vielleicht für den ein oder anderen Lacher oder Schmunzler gesorgt. Mehr solcher Anekdoten könnt ihr übrigens auch nachlesen in: „Schwein gehabt! Redewendungen des Mittelalters“ von Gerhard Wagner. (Nein, dies ist keine Werbung, ich möchte nur brav eine Quellenangabe machen).
Hier findet ihr mehr zu meiner Aktion: Das Wort der Woche.

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17 Kommentare zu „Das Wort der Woche (4): durchfallen“

      1. Ist ist auch schwierig, sich in diese Zeit hineinzuversetzen, es haben sich zu viele Begriffe völlig geändert oder gibt es nicht mehr.Das ist bei jeder Recherche eine echte Herausforderung. Manchmal entdeckt man jedoch eine Brücke zu heutigen Redewendungen.
        LG
        Gerhard

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      2. Ich finde es einfach herrlich in dieser alten Zeit herumzuforschen, mich zu informieren und neues zu entdecken. Aber kein Wunder, wäre das Interesse nicht da, hätte ich es nicht studiert 😉
        Liebe Grüße
        Julia

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