Heidewege

Der Wind singt in den wenigen Bäumen, die es in dieser Landschaft aushalten. Schmale Birken strecken ihre dürren Äste in den Himmel und lassen sich hin und her peitschen.

In starken Böen pfeift und rauscht es um mich herum. Als ich aus dem Wäldchen hinaus auf die freie Fläche trete umströmt mich ein Gefühl wie auf hoher See.

Spontan wähle ich mal diesen Weg oder jenen Pfad und schlängel mich durch die Heidelandschaft. Es ist mitten am Tag und dennoch herrscht ein graues Zwielicht. Ich genieße die Pause dort draußen und erkunde die sandigen Linien, die mitten durch die rötlich-braune Vegetation führen.

Die Freiheit hier jeden Weg wählen zu können gefällt mir. Die Leichtigkeit der Entscheidung ist angenehm und nimmt mir den Alltagsdruck. Egal, wolang ich gehe, ich darf jederzeit zurück spazieren oder meine Wahl erneuern. So fällt mir das spontan sein leicht, denn ich bin befreit von schwerwiegenden Konsequenzen. Vielleicht kann ich diese Schwerelosigkeit ein wenig in mein Leben mitnehmen und auch andere Entscheidungen unbeschwerter treffen.

Dankbar für neue Ideen, angenehme Gefühle und tolle Natureindrücke lasse ich die Momente auf mich wirken.

Auf dem Rückweg tanzt ein einsames braunes Blatt über den Asphalt und erzeugt dabei ein seltsames, schleifendes Lied. Ein Knistern und Ratschen, das mir etwas im Ohr nachhallt.

 

Was für neue Eindrücke, Erkenntnisse oder Gefühle habt ihr zuletzt aus der Natur mitgenommen?

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22 Kommentare zu „Heidewege“

  1. Nordheide, habe ich mir doch gedacht! Mein Bruder lebt dort.
    Ja, die Heide ist sehr schön. Ih habe ja auch eine in der Nähe. Allerdings liegt sie so einsam, dass ich mich alleine nicht mehr so gerne dorthin wage…..Wölfe haben sich hier angesiedelt und ich fürchte mich ein wenig. Wahrscheinlich ist das albern und ich werde doch bald wieder losziehen.

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    1. Wölfe soll es hier auch einige geben. Aber ich denke mir, dass die sehr scheu und eher in der Dämmerung aktiv sind. Außerdem wäre es schon sehr unwahrscheinlich, sie zu Gesicht zu bekommen. Aber ich verstehe auch, dass das ein komisches Gefühl ist.
      Vielleicht bist du ja bald wieder dort, es lohnt sich bestimmt! 🙂

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      1. Also, soooo scheu scheinen Wölfe nicht zu sein. Aber Du hast recht, bange machen gilt nicht und in der Dämmerung gehe ich dann eben nicht in die Wildnis. Heide ist doch zu und zu schön. Und ich liebe die Einsamkeit eigentlich sehr.

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  2. Wunderschön geschrieben. Ich kann es so gut nachempfinden, was du schreibst.
    Was ich am Leben erhalten in und mit der Natur am meisten genieße, ist die völlige Entschleunigung des Alltags.
    Kein Gehetze mehr hinter U-Bahnen und Flugplänen, kein lautes Gehupe, keine nervigen Polizeisirenen, kein Lichtsmog.
    Das bedeutet nicht wirklich Ruhe, schon gar nicht akustische Ruhe. Die Natur hier auf den Hebriden kann laut sein.
    Aber die Frage war ja, was wir zuletzt erlebt/gesehen/mitgenommen haben aus der Natur: „unser“ Seeadlerpaar schleppt seit Tagen große Menge Zweige und Äste zum Horst. Das ist ein schönes Zeichen, dann fangen sie bald mit der Brut an. 😍

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    1. Oh, wenn ich an die Hebriden denke, fange ich glatt zu träumen an. Es ist so wunderschön dort! Ich war ewig nicht mehr dort aber erinnere mich noch an den frischen Wind und die magische Atmosphäre. Ein Traum!
      Und dann noch Seeadler.. ein schönes Zeichen, in der Tat. 😉

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      1. Als Kind war ich glaube ich zwei- oder dreimal in Schottland und erinnere mich immer gerne an diese Urlaube. Wir waren u.a. auf Skye und noch anderen Inseln. Ein Jahr führten uns unsere Wege glaube ich auch nach Lewis. Vielleicht schaffe ich es bald mal wieder Schottland zu bereisen, denn ich sehne mich sehr danach 😉

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  3. Mein letztes Erlebnis ist etwas trauriger, gehört aber ebenso zu unserem Natur-Leben.

    Ich wohne auch recht zurück gezogen, nahe an Wasser und Wald. Aber einmal in der Woche fahre ich ins „Städtchen“, um mich mit Vorräten zu versorgen. So auch heute.

    Auf der Landstraße sah ich schon aus einiger Entfernung „etwas“ auf der Fahrbahn liegen. Und je näher ich kam, desto deutlicher erkannte ich, dass ein Tier da lag. Mehrere Autos vor mir waren bereits drüber gefahren, sicher unbedacht.

    Ich habe angehalten und das tote Eichhörnchen von der Straße geholt, es am Seitenstreifen mit Laub und Ästen zugedeckt. 🙏

    Der Gedanke, dass es sonst dort wieder und wieder unter die Räder gekommen wäre, hätte mich den Tag nicht friedlich verbringen lassen. Nachdem ich dem Tierchen aber eine „gute Reise“ wünschen konnte, war es auch mir möglich, meinen Weg einträchtig fortzusetzen. 💚

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    1. Ein trauriges Erlebnis. Mich macht es immer sehr betroffen tote Tiere auf der Straße zu sehen und ich hänge dem Erlebten in Gedanken oft noch eine Weile nach und fühle mich betroffen.
      Schön, dass du das Eichhörnchen von dort weg geholt hast. Den Gedanken, dass es immer wieder neu unter die Räder kommt, finde ich auch furchtbar. 😥
      Es berührt mich zu hören, dass du dich dem Tier angenommen und es zugedeckt hast. Wirklich schön, dass es Menschen wie dich gibt! ❤
      Ich hoffe deine nächsten Erlebnisse werden wieder schöner 😉
      Liebe Grüße
      Julia

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  4. Ich liebe die Heide! Gute Wahl, um dieses ganz besondere Ruhegefühl zu bekommen, das Du so toll beschreibst. Ich erlebe die Natur täglich ganz intensiv. Wenn nicht, dann fehlt mir viel für meine Lebensenergie. So bin ich heute früh noch im Morgengrauen aufgewacht, habe mein Fenster geöffnet und dem prasselndem Regen gelauscht, die feuchte Luft eingeatmet und mich einfach in meinem Bett nur wohlgefühlt. 😉

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