Fantasie

Beflügelt von kreativen Ideen und eigenartigen Vorstellungen, wird aus einer Pfütze schonmal ein Paralleluniversum.

Die Inspiration kann überall versteckt sein. Manchmal offenbart sie sich aber auch ganz direkt, ohne lange gesucht zu werden zu müssen. Die Welt ist so vielseitig und aus all den vielen Eindrücken bastel ich mir gerne neue Existenzen, Welten, Universen.

Ich erfinde Charaktere, neue Wesen und vereine sie in Geschichten. Besonders gerne denke ich mir alternative Erklärungen für normale Gegebenheiten aus. Warum flackert die Lampe? Was raschelt da im Gebüsch? Woher kommt dieser Apfel und wohin führen die Gleise hinter der Kurve?

Besonders Pfützen fordern mich dazu auf, meine Gedanken weit reisen zu lassen. Die Spiegelungen im Wasser sind einfach magisch und ein schöner Ausgangspunkt für fantastische Ausflüge. Hier ein kleiner Auszug daraus:

An diesem kalten aber sonnigen Wintertag was es außergewöhnlich ruhig. Der Weg über das Feld lag vor mir wie eine Straße, die mich weit fort führen wollte. An einen Ort, wo der Wind von der Erde hinauf weht oder der Boden unter deinen Füßen ein Lied singt.

Gleichmäßig setzte ich einen Fuß vor den anderen, betrachtete die ziehenden Wolken und sog die klirrende Kälte in meinen Körper. Ich roch die frische Winterluft und spürte den harten Asphalt durch meine ausgelatschten Schuhe.

Es war der Windhauch, der mir ein Zeichen herbei trug. Ein leichtes Pusten, das mich an der Wange kitzelte. Nichts besonderes draußen, auf dem freien Feld. Doch dann raschelte es leise als würden feine Blätter rauschen. Es konnten nur wenige sein, denn das Geräusch war so zerbrechlich.

Abrupt blieb ich stehen. Es war beinahe so als hätte mir jemand zugerufen, der sofort nach meiner Aufmerksamkeit verlangte. Ich sah mich um, konnte mir dieses seltsame Blätterwispern nicht erklären. Es war schnell verklungen und doch ergriff mich ein fremdes Gefühl, zog alle Aufmerksamkeit auf sich. Müsste ich es beschreiben so würde ich sagen es war Neugier und tiefes Wissen zugleich. Aber ich konnte mir nicht erklären, woher dieser Eindruck kam. Langsam musterte ich meine Umgebung. Das braune Feld lag da wie eingeschlafen, der Himmel war von ein paar Wolken bedeckt und im Hintergrund hörte ich die große Straße.

Ich starrte zu Boden. Dort lagen ein paar braune und gelbe Blätter. Klein und schmal als wären sie scheu und wollten nicht entdeckt werden. Die letzten Reste des Herbstes. Ansonsten war da nur eine Pfütze. Gerade wollte ich den Blick wieder erheben, da fiel mir das dünne Bäumchen auf. Es war bloß eine Spiegelung im Wasser, die auch den Himmel und eine Wolke einfing. Nichts besonderes.

Also schaute ich wieder nach vorne. Aber da war kein Baum. Irritiert blickte ich wieder in die Pfütze. Wie konnte es sein, dass da noch immer ein Spiegelbild war, zu dem es kein Original gab? Ich trag einen Schritt noch vorne, dann noch einen. Vorsichtig setzte ich meinen Schuh in das abgestandene Wasser. Zierliche Wellen breiteten sich aus, ließen das Baumbild verschwimmen. Es dauerte eine Weile, bis sich die Oberfläche beruhigt hatte und der Baum wider unverzerrt zu sehen war.

Ich bückte mich und schaute mir das ganze aus der Nähe an. Mein Blick wanderte abwechseln zwischen der Pfütze und der Landschaft vor mir hin und her. Es gab keinen Zweifel daran, dass hier etwas nicht stimmte. Waren das etwa Sinnestäuschungen? Wunschdenken vielleicht? Ich musterte die zum Teil kahlen Äste des Pfützenbaumes und plötzlich entdeckte ich ein kleines Wesen. Es saß auf einem dürren Ast und schaute mich an. Seine Augen waren tiefgrün mit gelben Sprenkeln. In diesem Moment fragte ich mich nicht, wieso ich das so genau erkennen konnte. Schließlich war diese fremde Kreatur so winzig. Aber ich hatte mich vertieft in diesen Spiegel, in dieses Loch unserer menschlichen Logik. Ich sog das Unbekannte ein und zugleich wurde ich angelockt und eingeladen von der Magie dieser grünen Sprenkelaugen..

 

Solche Inspiration ist eine große Freude, ein Kleinod, was ich wie einen Schatz hüte. Vielleicht kennt ihr sie auch, diese Freude über die eigene Vorstellungskraft, die manchmal Universen verlässt und sich auf die Suche macht, was wohl dahinter liegen mag.

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23 Kommentare zu „Fantasie“

  1. Wie wunderschön… Und beflügelnd für meine eigene Fantasie… inspirierend dieser Gedanke, Neugier weckend auf all das Unentdeckte, die Chance auf faszinierende Erlebnisse.

    Ich bewundere deinen Blick für diese unbegrenzten Möglichkeiten und ich stimme dir zu, die Welt ist vielseitig und voll von Gelegenheiten, die eigene Vorstellungskraft zu entfalten, zu genießen und aufregende Erfahrungen zu machen.

    Herzlichen Dank fürs Folgen
    LG Susanne

    Gefällt 1 Person

    1. Es freut mich wirklich sehr, dass ich auch deine Fantasie beflügeln konnte. 😉
      Ich wünsche dir einen guten Wochenstart mit inspirierenden Gedanken und einem Blick für die Kleinen schönen Dinge.
      Herzliche Grüße,
      Danke, dass du da bist,
      Julia

      Gefällt 1 Person

      1. Hallo Julia!
        Herzlichen Dank für deine liebe Antwort. Ich wünsche dir auch einen tollen Start in die neue Woche und viele Pfützen und Gelegenheiten, auf Reisen in unentdeckte Gefilde zu gehen.
        Viele liebe Grüße,
        Susanne

        Gefällt 1 Person

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