Der Sieg über die Nähmaschine

Es gibt einige Dinge, die kann ich nur ein wenig bis gar nicht. Meist sind es selbst erlernte Fertigkeiten, die ich gerne können würde. Eine davon ist Nähen.

Inzwischen lasse ich mich weniger davon beeindrucken, wenn ich etwas nicht gut kann. Ich versuche es trotzdem, beiße mich durch. Das klappt natürlich nicht immer aber scheinbar immer öfter.

Die Buchhülle aus meiner kleinen Verlosung war ein Antrieb dazu, es wieder einmal zu versuchen. Und was soll ich sagen? Es war zunächst ein Desaster.

Dazu muss ich sagen, dass meine Nähmaschine wahrscheinlich die günstigste auf dem Mark war. Vor einigen Jahren. Ich weiß noch immer nicht, ob ich sie richtig verstehe. Klar ist auch, dass einige Bauteile nicht gerade die stabilsten sind, geschweige denn besonders gut funktionieren. Aber was solls, besser als keine Nähmaschine zu besitzen.

Los gehts! Das dachte ich zumindest. Der Unterfaden verhedderte sich in der Maschine. Ich löste das Problem durch Rumprobieren. Dann schlug der obere Faden riesige Schlingen und verstopfte die ganze Mechanik. Immer wieder. Mehrfach musste ich Fäden aus Metallteilen pulen. Ich habe sogar die Maschine aufgemacht, Teile entfernt, gesäubert und nachher überlegt wohin eigentlich was gehörte. Am Ende schaffte ich es jedoch alles wieder richtig zusammen zu puzzlen.

Ich änderte Fadenspannung und was sich alles so an Rädchen (mindestens drei waren es wohl) drehen ließ, drehte ich eifrig hierhin und dorthin. Ich probierte Garn verschiedenster Materialien aus aber fand keine Lösung. Und was soll ich sagen? Ich blieb ruhig.

Ja, mich störte es sehr, dass ich das Problem nicht fand, aber ich zerstörte nicht direkt die Maschine. Trotz Wut und Enttäuschung überlegte ich, ging alle Schritte durch, die ausschlaggebend für das Problem sein könnten, verfolgte beide Fäden und probierte aus, ob alles richtig funktionierte. Ich dachte schon ich wäre zu blöd zum Nähen, bis ich den Fehler fand: Dieses Dingens da war kaputt.

Die Oberfadenspannung ist bei mir sichtbar und besteht aus einem Rädchen und, grob gesagt, zwei Metallscheiben, durch die der Faden führt. Die Regulierung des Abstands dieser Scheiben war „defekt“ wie man so schön sagt. Ich konnte am Regler drehen soviel ich wollte: Es tat sich nichts. Das war mir bisher aber nicht aufgefallen. Also reparierte ich das Teil notdürftig: Ich baute alles auseinander und wieder zusammen und stellte es irgendwie so ein, dass ich erst einmal Nähen konnte.

Dieser Stolz, dieser Erfolg, nach Ewigkeiten die Lösung gefunden zu haben, war grandios. Eine riesige, für mich sehr wertvolle Freude!

Bis in die Nacht nähte ich dann (mehr schlecht als recht) die Buchhülle. Das Ergebnis hätte besser sein können, denn mir unterliefen ein paar Fehler, für die ich mich etwas schäme.

Immerhin, ich habe nicht nur über die Maschine gesiegt, ich habe vor allem Geduld bewiesen und habe gegenüber meinem Zorn die Oberhand gewonnen! Na, wenn das kein Fortschritt und ein schöner Moment ist!

Stolz wie Oskar, sagt man da wohl. Solche Momente mag ich besonders gern. Diese Freude ist ein Geschenk, das ich mir selbst machen kann.

Wie geht es euch mit eurer Ungeduld, der Wut und dem Zorn, wenn etwas nicht funktioniert? Habt ihr vielleicht Strategien, wie ihr solchen Gefühlen begegnen könnt? Wie schafft ihr es aus diesen Momenten positive Erlebnisse zu zaubern?

Ich bin sehr gespannt, was ihr zu erzählen habt!

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20 Kommentare zu „Der Sieg über die Nähmaschine“

    1. Puh, ich finde es schwierig da eine Pause einzulegen. Diese Ruhe bewundere ich sehr 🙂 Es macht Sinn einmal alles hinzulegen und durchzuatmen, das ist die wahre Kunst. Ich frickel aber eher so lange und kann nichts anderes tun, bis ich das Problem gelöst habe. 😉

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  1. Meine Liebe, diesen Beitrag habe ich mit besonderem Interesse gelesen! In jungen Jahren machte ich nämlich ähnliche Erfahrungen. Ich wollte Kleidung nähen für meine kleinen Kinder und am Ende war etwas fertig, das man anschauen konnte und einigermaßen passte, aber der Weg dahin war ein steiniger. Die Kinder gruseln sich heute noch, wenn sie an mein damaliges Toben denken, denn dieses launische Miststück (Billigmarke natürlich) kostete mich Jahre meines Lebens, weil – genau – der Unterfaden ständig hängenblieb und irgendwas war falsch. Technisches Verständnis hatte ich damals noch nicht, aufhören konnte ich aber auch nicht und so biss ich mich durch, mit Fluchen, Tränen, Durchatmen, nochmal anfangen. Irgendwann hab ich die Nähmaschine weggegeben und nie wieder eine gekauft.
    Was du aber zustande gebracht hast – da knie ich nieder inEhrfurcht. Gratulation!!! Eine defekte Nähmaschine wieder zum Laufen zu bringen anstatt auszurasten, da zieh ich den Hut. Du musst deine Geschichte unbedingt ausdrucken und dem Gewinner in die Buchhülle legen. Das hast du toll gemacht! 🙂

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    1. Vielen lieben Dank für deinen Kommetar, ich fühle mich ganz geschmeichelt 😉 Ich verstehe deinen Ärger über diese Nähmaschine sehr gut. Es ist zum Verzweifeln. Ich saß schon so oft davor und war voller Wut. Übrigens ziehe ich den Hut davor, dass du Kleidung nähen kannst. Das kann ich nämlich nicht. Nur mit Hilfe so einigermaßen 😉
      Dein Lob freut mich besonders, herzlichen Dank dafür, da werde ich ganz rot..

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  2. Oh, das kenn‘ ich, das mit der Nähmashcine, also so ähnlich. Stell‘ dir vor, es ist Feiertag, du bist zu Hause, und nichts zu essen da. Die Knete ist auch grade alle, Bankautomat meinlenweit entfernt. Da findest du in der hintersten Ecke der Vorratskammer, der Wahnsinn: eine Dose Eierravioli!! Unfassbares Glück durchströmt dich. Und dann: kein Dosenöffner!
    Ist mir so schon passiert und ich weiß gar nicht mehr genau, wie ich sie aufbekommen habe, aber ich habe, und zwar nach gedanklichen Umwegen über Stemmeisen, Vorschlaghammer und Kreissäge dann doch vermutlich sozialverträglicher.
    Und das ist dann wirklich echte Freude und Stolz, der sich da in einem breit macht. Und schmecken tuts natürlich auch dementsprechend.
    Gruß von Michael

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    1. Lieber Michael, ein fehlender Dosenöffner ist wirklich ärgerlich! Diese Dinge sind einfach nicht aufzubekommen, wenn nicht der passende Öffner zur Hand ist.
      So eine Mahlzeit, die zunächst so weit entfernt lag, schmeckt dann natürlich besonders gut!
      Herzliche Grüße
      Julia

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  3. Vor 15 Jahren habe ich das letzte Mal an einer Nähmaschine gesessen – und getobt und geschrien vor Wut, gesprungen und gestampft. Sich verheddernde Fäden? Kenne ich … Seither habe ich nur noch mit der Hand genäht. In der Ergotherapie will ich es nächste Woche mal wieder versuchen, mich an eine Nähmaschine zu setzen. Ich habe ein wenig Angst und Respekt, bin zugleich aber neugierig und total gespannt. Denn – ich habe mit den Jahren an Geduld gewonnen und bin außerdem ehrgeizig und zäh. Aufzugeben ist für mich ein seltenes Thema …

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  4. Du beschreibst das sehr eindrücklich und ich kenne das, lange nach dem Problem bei einer Nähmaschine zu suchen. Manchmal ganz schön knifflig. Das mit der Fadenspannung ist gar nicht so leicht und unumgänglich für ein schönes Nähergebnis. Wenn das nicht mehr funktionierte, ist ganz klar, dass du kein anständiges Nähergebnis hin bekommen konntest.

    Erst kürzlich hatte ich auch wieder ein Problem mit der Nähmaschine, obwohl ich eine elektrische habe, die eigentlich ganz gut ist von der Qualität her, wenn auch nicht der Überflieger. Ich fange dann an zu schwitzen, bin verzweifelt, fühle mich hilflos, wenn ich verschiedenes probiere und es trotzdem nicht geht. In meinem Fall schien die Nadel bei der Nähbewegung direkt auf die Unterfadenspule zu stoßen und blockierte. Ich hatte die Nadel gewechselt, alles um die Unterfadenspule ausgebaut, die Transportfüsschen frei gelegt und gesäubert und es ging noch immer nicht. Letzten Endes stellte ich fest, dass das Hebelchen zum Unterfaden aufspulen umgelegt war, was wahrscheinlich beim Verpacken der Nähmaschine für meinen Aus- und Wiedereinzug passiert sein muss. Und wenn man den Unterfaden aufspult, blockiert ja bewusst die Bewegung der Nähnadel. Aber bis ich endlich da drauf kam!?

    Dann gehts mir aber ähnlich wie dir. Dann bin ich stolz wie Oskar und nähe mit großer Freude…

    Liebe Grüße
    Marion

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    1. Toll, dass du es auch nicht aufgegeben hast und den Fehler doch noch finden konntest. Da hat man auch einen guten Grund stolz zu sein 🙂
      Nähst du im Moment wieder etwas? Was nähst du besonders gerne?
      Liebe Grüße
      Julia

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