Von der Ruine zu den Schlössern und zurück

Nach der ersten Nacht im fremden Bett strahlte wieder die Sonne auf mich herab. Direkt nach dem Frühstück spazierte ich los. Weil ich den öffentlichen Nahverkehr kostenlos nutzen konnte, wollte ich mit dem Bus die weitere Umgebung erkunden. Dabei hatte ich allerdings nicht eingeplant, dass dieser Tag ein Sonntag war. Aber wenn ich mir einmal etwas in den Kopf gesetzt habe..

Ich spazierte also den Schildern hinterher ins nächste Dorf, wo immerhin ein paar Stunden früher der erste Bus abfahren sollte. Der Weg dorthin war sehr schön. Es ging vorbei an Feldern, Wiesen und durch den Wald. Ich hatte noch viel Zeit, bis der Bus kommen sollte, daher ging ich neugierig den Hinweisschildern zu einer Burgruine hinterher. Es ging ein ganzes Stück bergauf, bis ich das Gemäuer erreichte.

RIMG2916Oben angekommen war der Ausblick ein Genuss. Hinter der Außenmauer wartete wieder ein See auf mich, dahinter andere Berge. Herrlich! An so einem Ort mache ich gern eine kleine Pause. So früh am Morgen waren noch nicht viele Menschen unterwegs.
Ich hatte Zeit meiner Neugier zu folgen und die Ruine ein wenig zu erkunden.

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Wie so oft entstanden wieder Bilder in meinem Kopf, wie es wohl früher an diesem Ort zugegangen war. Wer hatte hier gelebt, was war hier alles geschehen? Was es schön hier zu leben oder war es eine grausame Zeit? Wie waren wohl die Geräusche und Gerüche damals?

In meinem Kopf hörte ich wie von fern eine schöne Musik, die diesen Ort wohl einmal erfüllt haben könnte.

RIMG2926Auf dem Weg hinab schaute ich noch einmal zu den bewachsenen Mauern zurück. Was ein Glück diesen Ort zufällig entdeckt zu haben. Wie schön, dass ich so offen dafür war einfach einem Hinweisschild hinterher zu laufen und einfach mal zu schauen, was mich erwartet.
Ich ging langsam hinunter zum Ort, direkt am See. Hier war inzwischen schon etwas mehr los. Besonders entlang des Ufers spazierten einige Urlauber entlang.

RIMG2937Kein Wunder, denn der Blick über den See war wirklich schön. Ich ging vorbei an Anglern, am Bootsverleih und erblickte schon die ersten Badegäste. Von einer Bank aus beobachtete ich das bunte Treiben und wartete auf meinen Bus. Ein schöner Ort zum warten und träumen.

Ich entschloss mich ausnahmsweise mal zum großen Touristenmagneten zu fahren: Schloss Neuschwanstein. Eigentlich mag ich eher ältere, nicht so prunkvolle Burgen, die schon zu Ruinen verfallen sind. Aber wenn ich schon einmal in der Nähe war..

Also folge ich den Touristenmassen, beobachtete die aufgeregten Asiaten mit ihren Kameras, die sofort anfingen zu knipsen, sobald das Schloss durch das Busfenster zu sehen war. Eine Eintrittskarte wollte ich nicht kaufen, mir reichte der Anblick von draußen. Allerdings wanderte ich gemeinsam mit den Massen den Berg hinauf. Kutschen rollten vorbei. Ich überholte Familien mit Hund und Kinderwagen, Menschen in Flip-Flops und Rentner, die verzweifelt fragten, wie weit es denn noch bis hinauf sei. Hier und da konnte ich mir ein belustigtes Grinsen nicht verkneifen.

RIMG2951Der Ausblick hinunter auf Schloss Hohenschwangau gefiel mir sehr und versüßte den Spaziergang nach ganz oben. Es war jedoch auch ein wenig seltsam, wie voll die Straße war. Und es wurden immer mehr Menschen. Bald war dann auch Schloss Neuschwanstein in Sicht.
Zwischen Eis am Stiel, Selfie-Sticks und quängelnden Kindern bahnte ich mir meinen Weg bis nach ganz oben zum Schloss. Allerdings hielt ich es in den Massen nicht allzu lange aus. Ich flüchtete zur Marienbrücke, die allerdings brechend voll war. Immerhin gelang mir von dort ein Foto vom kompletten Schloss.

Der Anblick war scRIMG2956hon sehr beeindruckend. Was ein Bauwerk! Ich konnte den Moment jedoch nicht ganz genießen. Das Holz unter meinen Füßen bog sich und die Brücke wurde immer voller. Ich hangelte mich am Geländer entlang schnell wieder auf sicheren Boden.
Hatte ich bereits meine Höhenangst erwähnt? Auf hohen Brücken stehe ich nicht besonders gerne. Erst recht nicht, wenn sich dort die Menschenmassen drängeln. Ich quetschte mich also wieder hinaus aus dem Getümmel und ging einen weniger belaufenen Weg hinab.

Die Sonne brannte regelrecht vom Himmel und ich gönnte mir eine kleine Pause, bis ich mich auf den Weg zurück machte. Leider verbrachte ich einige Zeit an Bushaltestellen, bis ich wieder dort landete, von wo ich am Vormittag losgefahren war. Sonntags kann ich solch eine Tour nicht gerade empfehlen, aber immerhin, ich habe es überlebt!

Mit müden Füßen schlenderte ich dieses Mal einen anderen Weg zurück zum Dorf, in dem ich untergebracht war. Am Wegesrand machte ich es mir erst auf einer Bank, dann liegend im Gras bequem.

RIMG2964Dieses strahlende Licht, diese Farben! Durch die Sonnenbrille betrachtete ich den Himmel, die langsam ziehenden Wolkengebilde. In der Nähe schnaubten Pferde, rupften eifrig Gras und kauten genüsslich. Dieses Geräusch mag ich besonders gern. Es beruhigt.
Scheinbar so sehr, dass ich kurz ein wenig einschlief. Noch hatte ich Zeit mich auszuruhen. Am nächsten Tag dann sollte der Anfängerkurs fürs Gleitschirmfliegen beginnen..

 

 

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29 Kommentare zu „Von der Ruine zu den Schlössern und zurück“

  1. Eine feine Beschreibung, die ich sehr gut nachvollziehen kann. Ich wäre auch ziemlich schnell wieder verschwunden… 🙂
    Witzig, wenn du schreibst Höhenangst und dann zum Gleitschirmfliegerkurs gehst. 🙂

    Liebe Grüße,
    Silbia

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  2. So gut zu lesen und die herrlichen Fotos dazu sind ein Genuss der besonderen Art. Habe große Lust, wieder unbeschwert und ohne Schmerzen gehen zu können (ich gehöre zur Gruppe der verzweifelten Rentner mit Arthrose). Beim Lesen habe ich ein wenig gespürt, wie es früher war und die Erinnerungen sind zu und zu schön. Ja, nun bin ich gespannt auf das Gleiten durch die Luft mit Höhenangst. Ich habe gehört, dass sich beim Gleitschirmfliegen dieses Gefühl nicht einstellt.

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    1. Ich bin zwar keine Rentnerin, aber bei mir wurde vor Jahren Arthrose diagnostiziert. Inzwischen habe ich schon einige Ärzte und Behandlungen durch. Mir hat Osteopathie und die richtige Bewegung geholfen, aber das ist ja bei jedem Menschen ganz individuell.Der Schweregrad ist ja auch sehr unterschiedlich. Ich hoffe sehr, dass du bald wieder unbeschwert und schmerzfrei gehen kannst!
      Wenn man oben auf dem Hügel steht und da runter fliegen will, ist die Höhenangst schon sehr, sehr stark. Während des Fliegens geht es.. Kommt drauf an wohin man schaut und was man da oben tut 🙂

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      1. Ich bewundere Deinen Mut! Hut ab! Sicher erzählst Du noch ausführlicher davon!
        Ich danke Dir für die guten Wünsche. Ich habe ehrlich gesagt nicht viel Hoffnung, dass ich je wieder schmerzfrei sein werde. Die Arthrose sitzt in den Fingergelenken, Knien und Zehen. Ich arbeite daran, mir trotzdem genügend Bewegung zu verschaffen und mit einer Ernährungsumstellung geht die Hoffnung einher, dass es nicht schlimmer wird. Meine Hände machen mir Sorgen. Ich kann ganz gut damit umgehen, denke ich. Es ist wichtig, sich darüber zu freuen, was noch alles geht und die Lebenslust nicht zu verlieren. Wenn ich beschäftigt oder unter Menschen bin, ist auch alles gut. Ich kann nur eben meine gleiebten Wanderungen nicht mehr machen, aber Radfahren geht noch richtig gut. Liebe Grüße!

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      2. Oh dankeschön! Ich werde noch genauer berichten, sobald ich ein paar Fotos beisammen habe von meinem Kurs 😉 Was du von deiner Arthrose berichtet klingt wirklich nicht gut. Ich hoffe sehr, dass es bei dir besser wird! Die Lebenslust nicht zu verlieren ist ganz wichtig. Alles Gute wünsche ich dir! 🙂

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      3. Danke Dir! Nützt ja nichts. Vielen Menschen geht es so wie mir, früher habe ich das nicht wahrgenommen. Heute sehe ich, ich bin in zahlreicher Gesellschaft. Ich freue mich auf die Fotos! Hoffentlich stellt sich bei mir dann keine Höhenangst ein!

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  3. Schöne Fotos. Auch der verstohlene Paparazzi-Shot von Neuschwanstein 😉 Um deine Fähigkeit in der Natur einzuschlafen beneide ich dich. Mein Frühwarnsystem scannt unter freiem Himmel ständig nach lebensgefährlichen Insekten und paranormalen Vorgängen.

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  4. „Ich überholte Familien mit Hund und Kinderwagen, Menschen in Flip-Flops und Rentner, die verzweifelt fragten, wie weit es denn noch bis hinauf sei.“ *Sebastian grinst beim Lesen*

    „Hier und da konnte ich mir ein belustigtes Grinsen nicht verkneifen.“ *Sebastian grinst noch mehr*

    Erstaunlich was dir auf so einer Wandertour alles auffällt. Ein wenig beneide ich dich um die Intensivität, mit der du die Umgebung wahrnimmst. Allerdings stelle ich mir das sehr stressig vor, sobald drumherum ein wahres Gewusel von Menschenmassen ist.

    Ein schöner Bericht! Vielen Dank fürs Mitnehmen 🙂

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  5. Meine innere Abenteurerin hat sich sehr mitgefreut, wie du alles erkundet hast, so einfach drauflos. Ich mag das, mit Zeit und keinerlei Verpflichtungen sich einfach treiben lassen und dem Gefühl folgen. Du hast es wieder wunderbar beschrieben.
    Ich bin nicht sicher, ob du deine Höhenangst schon erwähntest. Kann sein dort, wo du deinen spontan beschlossenen ersten Tandem-Sprung zum Ende eines Urlaubs erzähltest.
    Ich finde es ganz prima, dass du diesen Weg so gehst wie du ihn gehst. Mutig!

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    1. Dankeschön liebe Marion 😉 Manchmal fühle ich mich alles andere als mutig.. Aber von außen betrachtet.. Übrigens habe ich gelernt, dass die Gleitschirm-Flieger gar nicht gern das Wort „Sprung“ oder „springen“ hören. 😉 Darüber hatte ich mir vorher nie Gedanken gemacht, aber es stimmt: Es wird nur gerannt und geflogen aber niemals sollte man springen 😉

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      1. Das kann ich gut nachvollziehen. Ich fühle mich auch nicht immer mutig, manchmal sogar ganz und gar nicht. Trotzdem werde ich in meinem Umfeld manchmal so wahrgenommen.
        Hm, ich dachte, wenn ein Gleitschirmflieger von hoch oben auf einem Berg losfliegt, dann läuft er zuerst und dann springt er.
        Aber ok, sie selbst sehen es lieber so, dass sie laufen und fliegen. Na dann… 😉

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      2. Tja, Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmun 😉 Also ich werde ja noch genauer vom Fliegen und Laufen berichten aber es ist tatsächlich so, dass man nicht springt. Man springt nicht am Ende ab oder sowas. Man läuft vielmehr in den Flug hinein. Wenn man rumhampelt oder gar springt, dann gibts Ärger vom Lehrer :p

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