Begegnungen beim Warten

Bahnfahren

Es sind die Momente in denen wir irgendwo stranden obwohl wir doch weiter wollen. In denen alles anders läuft als geplant, dank einer „Verzögerung im Betriebsaublauf“ oder sonstigen Ärgerlichkeiten.

Plötzlich stehen wir da und all die Pläne sind dahin. Ungewissheit plagt uns und wir werden uns schmerzlich unserer Abhängigkeit bewusst. Den Ereignissen ausgeliefert brodelt Wut unter der Hilflosigkeit hervor. Die Stimmung in Bus, Bahn und Zug verschlechtert sich schlagartig.

Und plötzlich haben wir etwas gemeinsam – Ich und die fremden Menschen um mich herum. Unbekannte Gesichter, Gerüche und Stimmen. Mal ist es nur ein kurzer, mitleidiger Blick. Manchmal werden gemeinsam die besten Alternativrouten ergründet. Es ergeben sich Gespräche. Wohin willst du, woher kommst du? Der Fremde ist nicht mehr irgendeine Person. Er bekommt ein Gesicht und seine Geschichte eröffnet sich für Einblicke.

Ohne den Zugausfall, die Vollsperrung oder den Stau hätte ich mit diesen Menschen kein Wort gewechselt. Und so ergibt sich trotz Ärgerlichkeiten ein Lächeln, Mitgefühl, ein kleiner Moment des „gemeinsam seins“.

Dann trennen sich die Wege wieder. Ich habe neues erlebt und Momente geteilt. Auch wenn es nur kurz war. Manchmal ergeben sich kleine Möglichkeiten auch im Verkehrschaos etwas Positives zu finden.

Was habt ihr schon unterwegs erlebt? Habt ihr euch schonmal mit anderen Fahrgästen bei einer Störung zusammen getan? Ich bin neugierig, was ihr schon erlebt habt.

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16 Kommentare zu „Begegnungen beim Warten“

  1. 1992 als der LKW Streik ganz Frankreich lahm gelegt hat und wir aus Spanien heim wollten, haben uns liebe Franzosen durch Weinberge, Schmelzwasserkanäle und frisch gesprengte Alpenstraßen geführt, immer zwei weitere Deutsche Urlaubspäärchen im Schlepptau, bis wir endlich in der Schweiz waren. Die Fahrt dauerte 28 Stunden mit einem Auto voller Kinder. Es war fast das Beste am ganzen Urlaub und ein echtes Abenteuer 🙂

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    1. Da habt ihr ja wirklich was erlebt! Schön, dass euch so lieb geholfen wurde 🙂 Bei all dem was so passiert, denkt man manchmal, die Welt besteht nur aus schlechten Menschen. Dabei ist das gar nicht so 🙂 Ich finde es immer schön von solchen Abentuern zu hören, danke dafür.
      Herzliche Grüße
      Julia

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  2. Wir haben im Frühjahr 2015, als wegen eines Sturms halb Norddeutschland ohne Bahnverkehr war, gemeinsam mit anderen Bahnreisenden im Berliner Hauptbahnhof in einem eigens dafür aufgestellten Zug übernachtet. Es war überraschend entspannt.
    Vermutlich weil sich an unser aller Situation sowieso nichts ändern ließ.
    Bahnreisende Grüße aus dem Garten 🙂

    Gefällt 3 Personen

  3. In Miami hatte unser Flieger mehrere Stunden Verspätung aber alle waren schon abgefertigt und am Gate. Wir drei Mädels waren gut drauf und konnten den genialen Purser überreden die Getränkewagen raus zu rollen und schwups hatten wir eine launige Party an Start. Den Flug habe ich dann komplett verschlafen… 😉

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  4. Du weißt ja ich reiste vor paar Wochen alleine nach NYC. Das war wirklich eine Herausforderung, schon alleine auf dem JFK Flughafen. Ich traf wirklich die unterschiedlichsten Menschen. Unsere Maschine zurück nach Oslo konnte erst zwei Stunden später starten als geplant. Man kam ins Gespräch und orientierte sich am Pass den alle in ihren Händen hielten, aus welchem Land man kommt und welche Sprache man spricht. Ich sprach englisch mit einem Reisenden, nach ein paar Sätzen stellten wir fest, wir sind beide Deutsche. So herrlich wir haben gelacht. 🤔😬😅

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  5. Wir sind vor ein paar Wochen mit dem Zug gestrandet, weil er wegen Hochwasser nicht weiterfahren konnte. Mitten in der Nacht mussten alle aussteigen und ca. 500 Leute standen herum, warteten auf Busse, die ewig nicht kamen. Es war wie auf einem Spielplatz oder wenn man mit dem Hund Gassi geht: Hast du einen gemeinsamen Gesprächsstoff, kommst du auch ins Gespräch. Die Menge auf dem Bahnhof fühlte sich an, als ob man sich schon lange kenne. Überraschenderweise waren wir alle gut drauf. 🙂

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  6. Störungen im Betriebsablauf führen häufig zu Momenten des Miteinanders. Ich hatte bei meinem letzten Flug nach Auckland in Hongkong wegen Verspätung nur 45 min Umstiegszeit. Klar, da stieg mein Puls, v.a. auch weil ich alleine reiste. Aber nicht nur bei mir. Auch rund 20 andere eilten mit gestressten Gesichtern aus dem Flieger. Doch was für eine Erleichterung! Beim Ausstieg erwartete uns eine freundliche Chinesin, pappte uns einen runden orangen Aufkleber mit der Aufschrift „NZ“ auf die Schulter und heizte mit uns durch diesen riesigen Airport. Das war ein großes Gekichere. Herrlich! Den Aufkleber habe ich behalten. Er klebt in meiner Smartphone Schutztasche und auch jetzt schaut er mir beim Tippen zu! Die erste wunderbare Erinnerung an eine wunderbare Reise! Noch ein schönes Wochenende!

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  7. Im Alter von 14-15 Jahren bin ich vierzehntägig an den Wochenende eine längere Strecke mit der Bahn gefahren.. Zu einer Zeit, als es noch Abteile in den Zügen gab, man die Sitze zu Liegeflächen ausziehen und Vorhänge zuziehen konnte. Es gibt Geschichten, die ein Buch füllen könnte. Meine Mutter hat mich regelmäßig beim Abholen gefragt: „Wen hast du diesmal kennengelernt?“ und den Satz geäußert: „du wirst deinen Mann mal in einem Zug kennenlernen“. Heute fahre ich Auto, mag die modernen Reisebus-ähnlichen Züge nicht und habe meine Begegnungen in die Natur verlegt. Sehr oft werde ich von Kindern und anderen Passanten gefragt, was ich fotografiere und es entwickelt sich ein Gespräch. In meinen Träumen bin ich weiterhin viel in Zügen unterwegs! 🙂
    Lieben Gruß – Uta

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    1. Das klingt nach einer sehr schönen Bahn-Vergangenheit. Schade, dass sich da so vieles geändert hat. Es stimmt, die Züge sind inzwischen ganz anders. Zum Glück gibt es doch manchmal trotzdem interessante Begegnungen, aber ich habe das Gefühl, dass es früher mehr waren. Aber vielleicht liegt das daran, dass die Leute heute gestresster sind und mehr auf sich selbst fokussiert? Wer weiß. Aber es gibt ja immer solche und solche Menschen 🙂
      In der Natur kann es auch zu schönen Begegnungen kommen. Danke fürs teilhaben an deinen Erfahrungen. Das klingt schön 😉 Ich wünsche dir weiterhin schöne Begegnungen unterwegs und viele interessante Zugträumereien 🙂
      Liebe Grüße
      Julia

      Gefällt 1 Person

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