Eine Tasse Tee: Was für ein Geschenk!

Der Himmel ist grau, die Temperatur deutlich unter dem Gefrierpunkt. Der Körper ist müde, steif und ich fühle mich darin noch nicht so richtig wohl. Durch das geöffnete Fenster strömt Eiseskälte um die abgestandene Heizungsluft etwas zu verbessern. Auf dem Schreibtisch zittert der Basilikum im Topf mit mir um die Wette. Ja, da wo du eigentlich herkommst, da wäre ich jetzt auch gerne. Doch statt traurig die Blätter hängen zu lassen mache ich mir einen Tee.

Aber halt! Das bedeutet nicht einfach sich Wasser zu kochen und irgendeine Plörre in den Schlund zu kippen. Der Teegenuss beginnt beinahe schon bei der Zubereitung. Zunächst muss das Wasser auf die richtige Temperatur gebracht werden (abgemessen mit dem Tee-Thermometer, ja so etwas gibt es!). Dann wird der erlesenen, beschatteten Grüntee für 60 Sekunden in das Wasser getaucht. Dank der vergleichsweise niedrigen Temperatur kann ich die grüne Herrlichkeit auch schon kurz darauf genießen. Und wie ich diesen Tee genieße! Die Tasse wärmt die Hände, das warme Wasser den Magen, der Tee meinen Serotoninspiegel. Der gute Geschmack zaubert schöne Gedanken und erheitert meine Stimmung sofort.

Und da ist es wieder, das Gefühl der Dankbarkeit jetzt und hier diesen Tee genießen zu können. Ganz in Ruhe. Ohne Angst, Stress oder schlechtes Gewissen. Ich brauche nicht einmal Musik, denn auf seine Art singt der Tee die Melodie ferner Länder und entfacht das wohlige Gefühl der Freude.Wärme, die sich ihren Weg durch den ganzen Körper sucht, verströmt den Gedanken hier und jetzt genau richtig zu sein. Behütet und Sicher.

Was die richtige Temperatur so alles auslösen kann. Vor allem bei einer Frostbeule wie mir. Wenn ich vom warmen Tee eingehüllt werde wie in eine Decke dann ist die Welt in Ordnung. Allerdings erwarte ich, dass auch meine Füße nicht davon ausgeschlossen werden. Naja, ich sollte nicht zu viel vom Tee verlangen. Bis in die Füße reicht es oft nicht, da kommt selten etwas an (manchmal frage ich mich ob sie noch zu mir dazu gehören oder schon ihren Besitzer gewechselt haben).

Tee ist natürlich mehr als eine Wärmflasche. Gerade der Geschmack ist es doch, von dem wir uns verzaubern lassen. Die Fülle des Aromas, das sich ausbreitet wie ein Klecks Aquarellfarbe auf dankbarem Löschpapier, das gierig die Farbe einsaugt. Tanzend bewegt sich der Wohlgeschmack über die Zunge. Die Leichtigkeit darin erheitert das Gemüt und gemeinsam tanzen sie durch Mund und Psyche. Ich glaube das schafft nur dieser ganz besondere Tee. Keine bittere Schwere sondern ein munteres Aroma. Nicht der Hauch eines aromatischen Makels. Keine Säure oder Schärfe.

Eine grüne Sommerwiese.

Die feinen Partikel, die sich am Boden absetzen, scheuche ich immer wieder auf und beobachte das Gewirr der Formen. Ich habe nicht vor aus dem Teesatz meine Zukunft voraus zu sagen aber es macht Spaß dem Zufall bei der Arbeit zuzusehen. Die Bewegungen im Wasser sehen so leicht aus und erinnern mich wieder ans Fliegen. Frei und leicht. Beweglich, nicht festgelegt sondern ganz flexibel und offen für Neues.

Und selbst wenn die Tasse leer ist, flüstern die feinen Blätter bereits nach einem zweiten und dritten Aufguss.

RIMG2151

Advertisements

5 Kommentare zu „Eine Tasse Tee: Was für ein Geschenk!“

  1. Du hast wirklich eine sehr eigene und schöne Art etwas in Worte zu fassen.
    Deinen Teegenuss kann ich sehr gut nachspüren, ich liebe ihn auch.
    Es gibt Wasserkocher, bei denen man die Temperatur voreinstellen kann, so mache ich das.
    Mach weiter mit deiner Freude-Seite. Sie wird dir und den Lesern Freude bereiten 🙂

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s